Schon immer wollten der Tiger und der Löwe wissen, wer von ihnen der Stärkere ist. Und so machte sich der Tiger eines Tages auf den Weg zum Löwen, um diese Frage ein für allemal zu klären.

Manchmal kommt es anders

Der Tiger war überzeugt, dass der Löwe schnell einsehen würde, dass er ihm unterlegen wäre. Der Löwe hingegen dachte genau dasselbe – nur andersherum. Und so stellten sie schnell fest, dass es nicht so einfach werden würde.

„Sie trafen sich in der Mitte einer Lichtung im Schutz eines Waldes. Der Löwe war erstaunt, wie groß der Tiger war. Der Tiger war überrascht, wie majestätisch der Löwe mit seiner Mähne wirkte.“

Nachgeben wollte keiner von beiden. Jeder von ihnen war nach wie vor davon überzeugt, der Stärkere zu sein. Und so traten sie gegen einander an und verglichen ihre Kräfte: Wer konnte mehr tragen? Wer konnte weiter springen? Wer konnte einen mächtigen Stein mit dem Kopf verschieben? Wer konnte tiefer tauchen? Wer höher springen? Sie verglichen und verglichen sich. Doch es war einfach nicht herauszufinden, wer von ihnen stärker war.

„Die Tiere des Waldes kicherten leise, blickten dann aber schon wieder völlig ratlos aus den Gebüschen hervor. Es war einfach nicht zu sagen, wer der Stärkere von beiden war. ‚Es ist einfach zum Krallenknirschen!‘, beschwerte sich der Tiger.“

Und dann passierte etwas Überraschendes – mit dem keiner gerechnet hätte. Es gab ein Tier, das viel stärker und gefährlicher war als die beiden Raubkatzen. Ein Tier, das viel kleiner war als sie – und körperlich eindeutig unterlegen. Ein Tier, vor dem sie aber beide gleichermaßen Angst haben:

„‚Aah! Hilfe! Zu Hilfe! Helft uns doch! Eine Maaauuuuus!'“

Fazit: Es kommt nicht auf die Größe an

Wenn zwei sich streiten hat mich bereits beim ersten Durchblättern mit seinen wunderschönen Illustrationen eingefangen. Der Tiger und der Löwe sind einfach toll getroffen und man kann sich nicht recht entscheiden, wen man zuerst ins Herz schließen soll. Das passt gut zur Geschichte – denn auch hier ist ja keiner der beiden Konkurrenten unterlegen. Und so hat das Buch eine klare Botschaft: Es ist nicht unbedingt derjenige der „Stärkere“, der körperliche Stärke und Größe mitbringt. „Die kleine Maus“ kann im übertragenen Sinne mit Verstand und Ideenreichtum viel mehr erreichen als der, der nur seine Körperkraft einsetzt. Die Wahl des Löwen finde ich diesem Zusammenhang interessant, denn dieser wird in Geschichten bekanntlich gern als „König der Tiere“ dargestellt. Man könnte also durchaus hineininterpretieren, dass sich auch vordefinierte Rollen in Frage stellen lassen. Mein Fazit: Ein tolles Bilderbuch, das von mir das Prädikat „vorlesenswert“ bekommt.

Buchinformationen

Britta Sabbag: Wenn zwei sich streiten
Mit Illustrationen von Igor Lange
arsEdition, München 2021
Hardcover, 32 Seiten
Ab 3 Jahren

wenn zwei sich streiten

Klappentext

Wer ist stärker: Tiger oder Löwe?
Schon immer wollten der Tiger und der Löwe wissen, wer von ihnen der Stärkere ist. Der Löwe war felsenfest davon überzeugt, dass er es war. Aber: Das war der Tiger auch Dringend musste die Sache geklärt werden, und so trafen sich die beiden, um es herauszufinden. Doch: „Wenn zwei sich streiten, freut sich …“
Mit einem überraschend lustigen und vielsagenden Ende, bei dem es nicht auf die äußere Stärke ankommt!
Der neue Tierfabel-Klassiker, charmant geschrieben von Britta Sabbag, witzig illustriert von Igor Lange.

Anmerkung: Das Buch „Wenn zwei sich streiten“ wurde uns freundlicherweise als Rezensionsexemplar von arsEdition zur Verfügung gestellt.

Autor

Als ich klein war, konnte ich es nicht abwarten, endlich selber lesen zu können. Ich liebte es sehr, wenn meine Eltern mir aus Büchern vorlasen. Aber es reizte mich, es ihnen gleich zu tun und selbst die gedruckten Wörter zu einer Geschichte zusammenzusetzen. Nachdem ich endlich lesen gelernt hatte, verschlang ich ein Buch nach dem anderen. 2016 bin ich Mutter geworden und ich möchte meiner Tochter Sina die Welt der Bücher eröffnen wie sie einst mir geöffnet wurde.

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